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Das Perpetuum Mobile

von Anneke Wolf


Dem Perpetuum mobile wohnt die Utopie der ewig fortdauernden Bewegung inne. Die Konstruktionsidee eines solchen Apparates verbreitete sich ab dem 12.ten Jahrhundert von Indien über Arabien nach Europa, wo sie in der Renaissance- und Barockzeit ihren Höhepunkt fand. Spielte anfänglich die symbolische Darstellung des Zyklischen, z.B als Bildnis für Tot und Wiedergeburt eine Rolle, beeinflußte ab dem Mittelalter die Vorstellung der Ersetzung menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen die Entwicklung perpetuierlicher Apparate. Diese würden sich vor allem dadurch auszeichnen, daß sie jegliche Energiezufuhr von außen überflüssig machen würden, so war z.B. in der Renaissance der Gedanke Wassermühlen in stehenden Gewässern zu betreiben weit verbreitet. So berichtete Leonardo da Vinci, der nach eigenen Versuchen die Unmöglichkeit eines solchen Vorhabens erkannte:

"Ich erinnere mich, viele... aus verschiedenen Ländern gesehen zu haben, die sich dank ihrer kindischen Leichtgläubigkeit in die Stadt Venedig zurückzogen, wo sie mit der Hoffnung auf große Gewinne Mühlen im stehenden Wasser anlegten. Denn da es ihnen trotz großem Aufwand nicht gelang, eine solche Maschine in Bewegung zu setzen, waren sie gezwungen, das Feld eiligst zu räumen" (1)

Die anschließende Barockzeit war gekennzeichnet durch ein starkes Interesse der höfischen Gesellschaft an Kuriositäten. Diese Vorliebe ließ einen eigenen Berufsstand, den des Projektmachers, entstehen. Diese Projektmacher verstanden sich auf Ökonomie, Technik, Alchemie und Goldmacherei, und waren zum Teil ernsthafte Gelehrte oder aber auch reine Scharlatane, die sich mit der Entwicklung eines Perpetuum mobile hervortaten. Viele Adlige unterstützten das Vorhaben, waren sie doch ähnlich wie bei der Goldmacherei, von dem Gedanken aus Nichts etwas zu ihrem Nutzen entstehen zu lassen fasziniert. Zu berücksichtigen ist, daß die naturwissenschaftliche Erkenntnisgrundlage, die das Scheitern eines solchen Vorhabens bestätigt hätte noch nicht gegeben war. Viele dieser Bemühungen stellten so einen ernsthaften Versuch der Lösung des Problems dar.

1) Leonardo da Vinci, zit. in: Friedrich Klemm. Perppetuum mobile: ein unmöglicher Menschheitstraum. Dortmund:Harenberg Kommunikations, 1983:44

Der Beitrag wurde in überarbeiteter Form publiziert in:
Wunschwelten. Geschichten und Bilder zu Kommunikation und Technik. Hg. vom Museum für Kommunikation Bern. Zürich: Chronos, 2000


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